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Der Dollart
Der Dollart - Das ist ein großer Meerbusen, den die wilde Nordsee
in das Land gerissen hat und ihn noch immer nicht wieder ganz
hergeben will. Man sagt aber, er sei also entstanden:
Der Strich Landes, der jetzo Wasser ist, war von reichen Leuten
bewohnt, die gar zu stolz und hoffährtig waren und einer dem
anderen lieber Schaden als nutzen thaten.
Da wollte sie der liebe Gott züchtigen und schickte ihnen das
Wasser, damit sie in ihrer Noth sich bekehrten und allen Hader
fahren ließen. Als nun der Deich brach und die dem selben
zunächst wohnenden Bauern um Hülfe zu den Nachbarn schickten,
blieben diese hart wie zuvor. Da war sogar einer, der sprach:
" Und wenn auch meine Felder lanzenhoch vom Wasser bedeckt
werden sollten, so würde ich keinen Finger rühren, den Nachbarn zu
helfen, damit der Deich geflickt würde."
Und so kam es, und es wurde noch ärger, denn nicht lanzenhoch,
sondern thurmhoch brauste das ungestüme Meerwasser über die Felder
daher und verschlang das ganze Land.
50 Ortschaften, Städte, flecken und Dörfer verschwanden vom
Erdboden und wurden nicht mehr gesehen.
Man sagt aber, dass viel später bei stillem heiterem Wetter der
Schiffer, der über den Dollart fahre, tief unterm Meeresspiegel die
Trümmer der vernichteten Gebäude klar und deutlich sehen
könne und dass es heraufklinge, wie von Glocken, die im
Grunde läuteten.
(Aus dem Buch "Sagen und Märchen aus Ostfriesland" von
Dietmar Damwerth)
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